Das nächste Leben

19.12.2014

Am Ende eines Lebens ohne besondere Vorkommnisse beschloss ich, im nächsten Leben Rennfahrer zu werden, genauer gesagt Motocross-Rennfahrer. Und so geschah es dann auch.

Sehen konnte ich noch nicht, aber hören. Es klang wie "du du du - da da da" und richtete sich ohrenscheinlich an mich. Ich ignorierte diese Ansprache zunächst einmal, reagierte aber dann doch auf adäquate Weise, indem ich aus voller Kehle losbrüllte. Das fand Zustimmung. Kurze Zeit später konnte ich meine Umgebung mit den Augen wahrnehmen, erst als Schatten, dann Silhouetten, schließlich als Gesichter und Gestalten.

Ich lag in meinem Bettchen und besah mir das bunt eingerichtete Kinderzimmer. Es roch nach Baby und das Licht war gedämpft. Mein erster richtiger Menschkontakt manifestierte sich durch die Hand eines kleinen Mädchens, das intensiv mein Gesicht erforschte und konsequenterweise meine Nase zusammenquetschte. Das Mädchen entpuppte sich als größere Schwester mit dem Namen Reanne. Sie kümmerte sich in den folgenden Wochen ständig um mich. Ich war für sie eine Art Studienobjekt. Ihre Obsession mit meiner Nase gewöhnte ich ihr ab, indem ich jedesmal losbrüllte, was sie allerdings eine Zeitlang erst recht stimulierte. Aber bald fanden wir uns beide sehr nett.

Meine Mutter hatte ich auch schon kennengelernt. Vom Hörensagen wusste ich, dass sie Jule hieß. Obwohl ich noch nicht richtig scharf sehen konnte, gefiel mir sofort ihre Erscheinung. Mittig gescheiteltes blondes Haar, dazwischen ein helles schmales Gesicht mit aufmerksamen blauen Augen. Ich streckte ihr meine Ärmchen entgegen, was heißen sollte, nimm mich in den Arm. Das war das Schönste. Sie hob mich aus dem Bettchen, schlang die Arme um mich und drückte mich. Und küsste mich (überall). So kam ich ohne eigene Anstrengungen zu beträchtlichen Portionen Liebe.

Es war mir klar, dass diese Glücksmomente nicht auf ewig zu haben waren. Eine lange Durststrecke bis zur Meisterschaft lag vor mir. Durst allerdings musste ich nicht haben. In den ersten sechs Monaten konnte ich Milch direkt von der Quelle trinken! Das war sehr interessant und angenehm. Jule schien der Vorgang sehr zu behagen, und um ihr noch mehr Behagen zu verschaffen, lutschte und schmatzte ich leidenschaftlich. In dieser Zeit waren wir ein wirklich gutes Team.

Die folgenden zwei Jahre waren eher langweilig. Eine der wenigen Abwechslungen bestand darin, dass Jule englisch mit mir sprach, zum Beispiel: "This is a ball. This is my hand. This is your hand...". Ich lernte schnell. Jule kam zu der Erkenntnis, dass ich ein intelligentes Kind sei. Also steigerte sie den Schwierigkeitsgrad und sagte Dinge wie: "When you are grown up you will be the champion". Ich nickte. Das war mein Plan.

Im Alter von drei Jahren hatte ich schon die gesamte Verwandtschaft kennengelernt. Meist versammelte man sich auf der Terrasse mit Blick auf den weitläufigen Garten, der eher ein großer Park mit hohen Bäumen war. Ich durfte in der Nähe des Kaffeetisches spielen und ab und zu als Koseobjekt dienlich sein. Interessant war es, wenn mein Vater (Tyge), den ich inzwischen natürlich auch kennengelernt hatte, auf dem Motorrad zwischen den Bäumen auf dem gepflegten Rasen herumdüste. Dazu benutzte er nur die schon eingefahrenen Trialspuren. Und, nicht zu glauben, Reanne - mit feuerrotem Helm - kurvte auf einem kleinen Kindermoped hinter dem Vater her. Das war unfair, denn ich hatte nur mein Puky Laufrad (nicht offroadtauglich).

Im Sommer durfte ich oft bis in die Nacht hinein auf der Terrasse verweilen. Während Jule und Tyge vor dem Feuer saßen und Punsch tranken, studierte ich den Nachthimmel. Das Blinken der Sterne faszinierte mich. Diese unendliche Tiefe des Weltalls, beeindruckend, auch wenn es sich um ein großes Gewölbe mit aufgemalten hellen Punkten handeln könnte (dahinter ist nichts). Doch dann entdeckte ich ein sehr schönes Sternbild, das gut in meine neue Welt passte, so schien es mir. Ich nannte es MX. Erst viele Jahre später erfuhr ich, dass es offiziell die Bezeichnung "Sternbild MX" trägt. Heute weiß man, dass das Sternbild MX unabhängig von der Jahreszeit immer dann im Osten des Firmaments zu sehen ist, wenn man danach sucht.

An meinem vierten Geburtstag nahm mich Tyge zum ersten Mal mit auf das Gelände des MC Borzow. Das liegt nur zwei Kilometer von unserem Haus entfernt. Von weitem waren die Motoren zu hören und am Clubhaus begrüßten uns Fahrer, Eltern und Kinder mit Hallo. An diesem Tag war freies Training. Einige Fahrer kamen auch aus anderen Vereinen in der Nähe. Im Clubhaus stand eine kleine Torte mit 4 Kerzen auf dem Tisch, verziert mit einem gerade noch als solches erkennbarem Motorrad - für mich! Alle zusammen sangen ein Geburtstagslied und dann durfte ich die Kerzen ausblasen, die vorher extra dafür angezündet worden waren. Ich strahlte vor Vergnügen.

Tyge nahm mich an der Hand und ging mit mir hinaus. Und wer sagt es - vor der Tür stand eine KTM 50 SX. Unglaublich, denn sie war für mich. 2-Takt, Wasserkühlung. Tyge sagte: "Die ist für dich, mein Sohn, damit du viel trainierst!" Ich blickte ihn mit großen Augen an und dachte dabei 'So ein Glück!'.

In den folgenden Monaten war ich regelmäßig auf der Kinderstrecke des MC Borzow. Da ich noch nicht zur Schule ging, hatte ich viel Zeit und lernte schon die grundlegenden Fahrtechniken. Als ich mit sechs Jahren in die Schule kam, hatte ich schon an den ersten 50 ccm Rennen in der Kreisklasse teilgenommen. Doch dann hieß es Lesen und Schreiben lernen. Das größte Problem in den ersten beiden Schuljahren war es, meine Fähigkeiten zu verbergen, also erst einmal mit Krakelschrift anzufangen. Die Lehrerin, Lærke, die zu meinem Entzücken immer gelbe Shorts und rote Turnschuhe trug, schien nichts zu bemerken, wenngleich sie mich manchmal sehr aufmerksam musterte, vor allem, wenn ich wieder einmal aus Versehen ein schwieriges Wort, wie zum Beispiel 'theatralisch', auf Anhieb richtig geschrieben hatte. Am leichtesten hatte ich es in Mathematik mit dem Verbergen, denn du musst nur logisch denken können - und das kann auch ein Kind - um mathematische Aufgaben lösen zu können. Den Rubik Cube konnte ich allerdings genauso wenig wie die anderen Kinder. Der kleine Malthe war die Ausnahme, er schaffte den Würfel in kaum mehr als einer halben Minute (der Weltrekord liegt bei acht Sekunden), aber vermutlich übte er sogar zu Hause!

Je größer ich wurde, desto größer wurden die Motorräder, die mein Vater für mich kaufte. Als Kind nahm ich das einfach als gegeben hin, denn natürlich brauchte ich zunehmend leistungsfähigeres Gerät. Doch manchmal, wenn ich gerade nicht kindlich dachte, wunderte ich mich über die hohen Geldsummen, die Tyge aufbrachte. Zufälliges Mithören von Gesprächen zwischen meinem Vater und seinen Freunden bei häufigen Treffen mit viel Whiskey formte bei mir jedoch das Bild eines Hedgefondmanagers mit viel Geld. Tatsächlich war oft die Rede von 'Millionen'. Das erzeugte bei mir eine visuelle Animation, in welcher Tyge wie seinerzeit Dagobert Duck in seinem mit Golddukaten gefüllten Swimming Pool herumschwamm. Ich wusste, dass der Weg zum Champion teuer sein würde, aber die Basis schien vorhanden zu sein.

In den folgenden sechs Jahren wurde Motocrossfahren zu meinem Lieblingshobby neben Sport, den Jule, die Sportlehrerin ist, von Reanne und mir abforderten. Während meine Schwester gerne weit und hoch hopste, war mir Springen ein Gräuel, weil ohne Motorkraft. Table- und Wellenspringen waren zu meinen Lieblingsübungen auf der Strecke geworden, und es klappte immer besser, auch wenn es noch vergleichsweise kleine Hopser waren. Natürlich stürzte ich dabei immer wieder, aber bis auf Prellungen ging es meist glimpflich aus, Vorsichtshalber heulte ich dann kindgerecht, um Jules Mitgefühl zu entfachen. Bei den Rennen stand sie an der Strecke mit Getränken und belegten Broten, zusammen mit den Eltern der anderen Fahrer. Irgendwann hatte ich gelernt, ihnen während des Sprungs zuzuwinken, was allen gut gefiel.

Diese Jahre bildeten die Grundlage für meine späteren Erfolge. Es war eine sorgenfreie Zeit dank Jule und Tyge. Im Alter von neun und zehn Jahren nahm ich in der 85ccm-Klasse mit meiner neuen KTM 85 SX schon an Landesmeisterschaftsläufen teil. Die Krönung war letztendlich der Titel des Landesmeisters (Siege in Ueckermünde, Tessin, Vellahn, drei zweite Plätze, ein Ausfall) was zu einer ganz speziellen Feier anlässlich meines 11. Geburtstages führte. Es war bei der Jahresabschlussfeier des MC Borzow im Clubhaus. Alle Fahrer waren da bis auf Torge, der mit einer Verletzung im Krankenhaus lag, sowie der Großteil der Mitglieder. Als ich bei der Ehrung dran war, musste ich schon wieder Kerzen ausblasen, diesmal elf. Danach fuhren wir nach Hause, zusammen mit Johan (Johnny), meinem besten Freund. Johnny hatte den zweiten Platz bei der Landesmeisterschaft belegt. Er fuhr immer schnell und riskant, doch auf seiner Suzuki RM85L war er gegenüber meiner Maschine im Hintertreffen.

Tyge fuhr die Kieseinfahrt zu unserem Haus hoch und stellte den Cadillac Escalade EXT vor dem Eingangsportal mit seinen hohen weißen Säulen ab. Ich rannte mit Johnny im Gefolge um das Haus herum, denn ich ahnte, dass ein Geburtstagsgeschenk auf mich wartete. Und da stand es auch. Orangeleuchtend war die nagelneue KTM 250 SX-F auf der Terrasse vor dem blütenweiß gedeckten Tisch postiert. Ein Traum! Daneben befand sich ein verhülltes Objekt, doch die Konturen wiesen auf ein zweites Motorrad hin. Tyge und Jule traten aus dem Saloon auf die Terrasse und belächelten meinen Tanz um das orangene Kälbchen. "Kommt, ihr beiden, setzt euch an den Tisch", sagte Jule. Wir nahmen Platz, ich so, dass ich meinen neuen Crosser immer im Blick hatte. Johan lächelte etwas schief. Ich glaube, er war ein wenig neidisch. Nach Kuchen und Kakao richtete Tyge das Wort an den Nachwuchs: "Gratulation zur Meisterschaft und Vizemeisterschaft, ihr Teufelskerle! Jetzt beginnt ein neues Leben für euch beide, denn in der 250er Klasse zeigt sich der wahre Könner. Ich wünsche euch ein gutes Jahr und mordsviel Spaß beim Fahren". Wir stießen mit den Kakaotassen an.
"Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen", sagte Tyge und ging zum verhüllten Objekt. Er zog das Tuch mit einem Ruck ab und da stand eine nagelneue KTM 250 SX. "Du kriegst die 2-Takter, Johan". Johnny stand regungslos und gebannt vor dem blitzenden Ungeheuer. Langsam ging er näher und legte die rechte Hand auf den Gasgriff. Ich sah, dass er ergriffen war und noch nicht an diesen Traum glauben konnte.

Johan war in recht armseligen Verhältnissen in einem kleinen Häuschen am anderen Ende der Stadt aufgewachsen. Der Vater, ein verhärmter, oft alkoholisierter Gelegenheitsarbeiter, war früh gestorben. Die Mutter, eine schmale blasse Frau, arbeitete nachts im nahegelegenen Postverteilungszentrum und ernährte die Familie, zu der auch Johans Schwestern Airin und Lilija gehörten. Von Anfang an hatte Johan eine Simson S70 und fuhr darauf durch die Gegend. Unser erstes Aufeinandertreffen fand im Sandabbaugelände der KBR statt, wo viele unserer Freunde trainierten. Johnny und ich fuhren um die Wette, ohne dass wir uns kannten. Es war ganz klar, dass nur wir beide auf dem Platz zählten. Die Sandberge rauf und runter, der Sprung über die Kuhle, die tiefen Furchen entlang - immer war Johnny schneller als ich. Er war nicht zu fassen. Er war schon damals hart und ehrgeizig. Und er gab nie auf. Am meisten in meinem Leben habe ich von Johnny gelernt. Unsere Freundschaft war für immer in dieser ersten Begegnung verwurzelt.

Jule ging zu Johan und nahm ihn in ihre Arme. "Ich möchte, dass du mit deinem Freund fährst und auf ihn aufpasst, mein lieber Johnny, wie auf deinen Bruder!". Ihre Augen waren feucht. Johan hielt die Augen geschlossen und nickte tapfer.

Dann gab es kein Halten mehr. Wir kickten die Maschinen bis es kawumm und rotrotrotrot donnerte und rasten auf den weitläufigen Rasen bis in den Wald hinein. Es war ein Toben abseits aller Regeln. Die ungeheurer Motorkräfte unserer neuen Maschinen ließen uns über Wurzeln, Äste, Baumstämme und Rasenbeete fliegen und alles umpflügen, was im Wege lag. Tyge und Jule sahen von der Terrasse aus zu und amüsierten sich. Vor ihnen breitete sich das riesige Grundstück aus und im tiptop gepflegten Rasen formten sich immer breiter werdende feingepflügte Crossstreckenbahnen mit schnellen Geraden und spitzwinkligen Kehren. Erschöpft von diesem Kraftakt kehrten wir irgendwann zurück auf die Terrasse. Am Abend gab es Lagerfeuer mit Würstchen am Spieß. Hin und her gingen die Geschichten von den Abenteuern der vergangenen Saison. Schließlich schlugen wir ein großes Zelt auf, direkt an der Terrasse mit dem Eingang zu den beiden Rennmaschinen. Der Mond ging auf, eine Nachtigall sang ihr Lied, und Reanne steckte ihren Kopf ins Zelt und wünschte uns eine gute Nacht.

Kurz bevor ich einschlief dachte ich, das war ein toller Tag gewesen, vielleicht der schönste Geburtstag in meinem ganzen Leben, denn die Zukunft war weit offen und alles schien möglich zu sein! In diesem Moment wurde mir klar: jetzt begann der Ernst des Lebens. In den kommenden vier Jahren musste ich so gut werden, dass der Sprung ins Profilager gelingen konnte.

Zum Glück gingen Johnny und ich in dieselbe Schule vor Ort. Dort verabredeten wir uns für das fast tägliche Nachmittagstraining. Als ich zwölf war, gebar Jule einen Sohn, Ingvar. Nicht dass das irgendeinen Einfluss auf meinen Plan hatte, glücklicherweise kümmerte sich Reanne um ihn. Doch ab und zu kümmerte auch ich mich, und zwar dann, wenn Ingvar im Kinderwagen auf der Terrasse sein durfte. Dann zeigte ich ihm, sobald es dunkel wurde, das Sternbild MX im Osten. Ob er es wirklich sah, da war ich nicht sicher, aber er guckte dorthin, wo ich hinzeigte, und blickte mich dann mit großen Augen an. Ich jedenfalls tat meinen Teil, denn wer im Motocross erfolgreich sein will, muss auch das MX-Gebilde am Sternenhimmel kennen.

Tyge, mein Vater, war weiterhin mit Geldverdienen beschäftigt und verfolgte wohlwollend meine Rennaktivitäten im ganzen Land. Eines Tages, ich war gerade vierzehn Jahre alt geworden, kündigte er eine Reise nach Amerika an. Er habe eine geschäftliche Besprechung in Tallahassee in Florida. Ich solle mitkommen! Das war eine tolle Nachricht. Da ich von Hedgefonds nichts verstand, musste ein anderer Grund vorliegen. Und diesen lernte ich nach unserer Landung auf dem Orlando International Airport kennen. Mein Motorrad hatten wir in den gemieteten Mercedes V250 Van geladen und fuhren in Richtung Norden.

"So, mein Junge". Tyge sah mich von der Seite an und grinste. Er hatte ein Baseball Cap auf und war ziemlich unrasiert. "Wir machen es uns schön hier. Wir fahren nach Daytona Beach. Toller Strand. Der Rekord liegt dort bei über 400 kaemha!". Da konnte ich wohl nicht mithalten.

Wir verbrachten den Abend am Strand. Ich staunte über die vielen Fahrzeuge, die ständig vorbeirauschten. Und die netten American Girls - ich war ja schon vierzehn - beeindruckten mich ebenfalls. Nach dem zweiten Beefburger mit Frittes war ich müde von dem langen Tag. Mein Daddy hatte ein Einsehen und wir zogen uns ins Residence Inn Hotel zurück.

Am nächsten Tag tat Tyge schon am Morgen geheimnisvoll. Über Cornflakes und danach Rührei planten wir den Tag. "Und heute Abend... na, du wirst schon sehen". Das war der Plan für den Abend. Nun ja, wir verbrachten den ganzen Tag am Strand. Für März war es angenehmem warm, so dass Schwimmen im Meer angesagt war. Und irgendwann war es endlich Abend. Tyge bestellte im Hotel ein Taxi, das uns zum Speedway fuhr. Aha, dachte ich, da rennt der Hase. Mit den beiden VIP-Karten, die Daddy am Einlass vorzeigte, gelangten wir schnell in den Innenbereich, und von dort ging es direkt zum Fahrerlager. Ach ja übrigens, an diesem Abend fand auf dem Daytona International Speedway der Monster Energy AMA Supercross Event statt. Sowas zu sehen war bisher nur in meinen geheimsten Träumen vorgekommen. Im Fahrerlager angekommen war ich geblendet von den Rennmaschinen der Superfahrer. Das war der Traum in Wirklichkeit. Alle berühmten Fahrer waren da. Tyge steuerte die KTM-Bucht an. Tatsächlich, da stand Ken Roczen und gab ein Interview. Ich war mächtig beeindruckt. Nach dem Interview waren wir dran, aber ich brachte keine einzige Frage heraus und durfte statt dessen Kens Hand schütteln. Das ist wie im Olymp. Ken gehört zu den drei besten Fahrern der Welt!

Beim Verlassen des Fahrerlagers sah ich bei Kawasaki noch den amtierenden Champion Ryan Villopoto. Er sah mich und grinste kurz. Ich denke, das war damals das geheime Zeichen: mach's auch!

Was soll ich sagen. Das Rennen war phänomenal. Noch nie hatte ich solche Fahrkünste gesehen. Unter schwarzem Himmel in grellem Licht kämpften die Gladiatoren gegeneinander und miteinander. An diesem Abend beschloss ich, MX Supercross Champion zu werden. Ich denke, das entsprach auch dem ursprünglichen Plan, der vor vierzehn Jahren ins Leben gerufen worden war.

Am nächsten Morgen sagte Tyge beim Frühstück (ham and eggs): "Ich muss drei Tage nach Tallahassee. Ich bringe dich nach Bunnell. Das wird dir gefallen!". Gesagt getan. Nach einer Stunde Fahrt kamen wir am Pax Track Motocross Park an der Palm Coast an (auf Karte zeigen). Im Clubhaus übergab mich Tyge an Abigail, die 'Chefin' (blondes mittellanges Haar, blaue Jeans, schwarzes Sternenglitzerjäckchen), die mich mit einem gewinnenden Lächeln begrüßte: "Hi, so you come from Germany!". Ich fühlte mich gleich wie zu zuhause.

Pax Track, Bunnell

Drei Tage lang konnte ich auf dem Pax Track trainieren und auf der Ranch von Abigail und Mason übernachten. Da bekam ich doch eine Ahnung, wie man in Amerika lebt. Gar nicht so übel! Am zweiten Tag lernte ich die netten amerikanischen Crosser vom Club kennen - bei einem großen Lagerfeuer mit Spareribs-BarBQ. Jayden, mit dem ich auf der Strecke ein wenig um die Wette gefahren war, lud ich nach Deutschland ein, um meine Freunde vom MC Borzow kennenzulernen. In diesen Tagen erfuhr ich übrigens vom Supercross-Trainingslager in Daytona, das dreimal im Jahr für Nachwuchsfahrer abgehalten wird. Das merkte ich mir!

Dann war Tyge wieder da. Er war fröhlich (gute Geschäfte vermutlich) und verabschiedete sich sehr herzlich von Abigail. Ich sagte Tschüss (Bye) zu den Crossern und weg waren wir. Von Orlando aus flogen wir nach Hamburg. Meine KTM war dort gut angekommen. Zu Hause schließlich herzten und küssten wir unsere Jule, Reanne natürlich auch. Während ich mein Motorrad Richtung Garage/Werkstatt hinter das Haus schob, bemerkte ich mit großem Erstaunen ein fremdartiges Gebilde im Garten: eine Rampe. Die Sonne ging gerade unter und die riesige Rampe warf einen langen Schatten auf die dahinterliegende, schräg abfallende Landepiste. Ein Stück des Waldes fehlte jetzt. Ich konnte es gar nicht glauben.

Als wir in der trauten Familienrunde (auch Ingvar war dabei) abends auf der Terrasse saßen und von Amerika erzählten, erklärte Tyge seinen Rampencoup. Das Projekt war lange geplant worden. Während unserer Abwesenheit waren mehrere Arbeitertrupps angerückt: Waldarbeiter zwecks Abholzung, Tiefbauer für das Fundament, Gerüstbauer für die Rampe, Schwerlastkranarbeiter, Lkw- und Radlader-Fahrer, Monteure, sowie der Statiker und der Gartenbauarchitekt. Bei Mondlicht besehen war das jetzt der schönste Garten weit und breit. Ich dankte meinem Daddy und versprach, eifrig zu trainieren.

Am nächsten Tag zeigte ich Johnny die neue Übungseinrichtung. Wir hatten erst einmal eine Menge Respekt und beschlossen, vor dem ersten Sprungversuch auf der Clubstrecke zu üben, und zwar an einer Auffahrt mit ähnlicher Steigung und Länge. So vergingen einige Tage. Schließlich, am Sonntag Nachmittag, fühlten wir uns fit genug. Reanne kam in den Garten gesaust, als wir die Maschinen anwarfen. Sie hatte einen Freund, der zum Glück nicht da war, sie war ja schon nervig genug. Johnny fing an. Kurzer Anlauf, Gasstoß, und er hob ab. Nicht übermäßig hoch, aber eine saubere Landung auf beiden Rädern. Ich machte es ihm nach und es fühlte sich gut an. Schon beim Abheben war etwas anders. Kaum über die Rampe hinaus fehlte einem das Gelände. Da war nur ein tiefes Loch unter einem und man musste auf jeden Fall die Landepiste erreichen. Danach gab ich mehr Gas.

Das Jahr und eine weitere Saison vergingen. Ich bestritt alle Rennen in der MX2-Klasse mit guten Erfolgen und war zum Schluss Vizemeister. Im darauffolgenden Jahr bekam ich zu meinem fünfzehnten Geburtstag überraschenderweise kein neues Motorrad und fuhr deshalb weiterhin die 250er. Der absolute Höhepunkt in diesem Jahr war meine Teilnahme am MXGP-Rennen in Teutschenthal, also dem Weltmeisterschaftslauf (FIM Motocross Grandprix). Der Strecke ist schnell und brutal. Ich hatte einige Mühe, mit den internationalen Champions, unter anderen Gautier Paulin (!) mitzuhalten. Bis in die letzte Runde schaffte ich es, dann war mit einem Kettenabriss abrupt Ende. Normalerweise war jetzt Jule da, um mich zu trösten. Sie war auch da, aber Trost kam von meiner neuen Freundin Marija.

Marija

Dieses Jahr war gleichzeitig mein letztes Schuljahr, auch für Johnny. Wie sollte es weitergehen? Für mich war die Sache klar. Für Johnny dagegen nicht unbedingt. Er wollte eine Gärtner/Gartenbaulehre machen. Im Scherz bat ich ihn, den Wald auf unserem Grundstück wieder aufzuforsten, wenn die Rampe eines Tages abgebaut sein würde. Er lachte und fand das eine gute Idee. Tatsächlich trennten sich im Jahr darauf unsere Wege.

Zu meinem sechszehnten Geburtstag schien die Frühjahrssonne hell und die Bäume schlugen aus. In den Wochen davor hatten Tyge und ich mehrmals über meinen zukünftigen Weg gesprochen. Mein Wunsch war es - entsprechend meinem Plan - Rennsportprofi zu werden. Mein Vater favorisierte eher eine Banklehre (Hedgefondmanagement für Anfänger), stimmte mir aber letztendlich zu. Am Geburtstag gab es keine Überraschung auf der Terrasse, sondern in der KTM-Niederlassung. Villads Andersson, Niederlassungsleiter und guter Freund unsere Familie, begrüßte uns mit großem Hallo. Villads unterstützt als Sponsor meine Rennsportaktivitäten. Er war früher selber Rennfahrer und erinnert mich immer an einen Pferdejockey mit seiner dünnen, sehnigen Gestalt und dem Käppi auf dem Kopf. Jetzt führte er uns in den Ausstellungsraum und zog mit großer Geste das weiße Tuch von der: KTM 450 SX-F Racing. !!! Die Rennmaschine des KTM-Werksteams.

Ich hatte mit der 450er Klasse gerechnet, aber nicht mit der Racing-Klasse. Das Schicksal wollte es also so. Ist das Leben nicht vorgezeichnet? Hat man überhaupt eine Wahl? Dieses Motorrad ist ein Siegermotorrad, das heißt, man kann nicht nur, man muss damit siegen.

Wir setzten uns zu einem Espresso in das Büro. Nach einigem Gerede über die Geschäftslage und Sponsoring im Speziellen kam man auf mich zu sprechen. Villads hatte sich etwas in den Kopf gesetzt: ich sollte im Supercrosszirkus fahren, das heißt im SX-Cup. "Junge", sagte er, "Supercross ist zum Spaßhaben und zum Geldverdienen da. Genau das Richtige für dich!". Jetzt war es soweit. Der Sprung in die Supercrosswelt stand bevor.

Einige Tage später fuhren wir nach Niederroßbach zum KTM Sarholz Racing Team. Burkhard Sarholz, der schon über lange Zeit Champions aus jungen Fahrern gemacht hat, begrüßte uns herzlich. "Hey Tyge", rief Burkhard, "Mensch, nach so langer Zeit. Und jetzt ist dein Sohn dran, was?". Wir gingen für einen Espresso ins Büro. Erst jetzt erfuhr ich, dass mein Daddy selbst im Sarholz-Team gefahren war. Nicht schlecht. Burkhard kannte mich schon als Landesmeister und stimmte sofort zu. Ich durfte Mitglied des Teams werden. Darauf besichtigten wir die Hausstrecke. Eine typische Supercrossstrecke mit Wellenpiste und etlichen Sprunghügeln, ein paar davon recht giftiger Natur von der Gattung sehr hoch, sehr weit. Später, beim Holzkohlegrill mit leckerem Lamm, gingen wir den Terminkalender durch. Burkhard schlug eine Trainingsphase für mich vor und einige Einsätze zum Jahresende.

In den folgenden Monaten lebte ich also im Westerwald. Nach und nach lernte ich die Fahrer kennen: Marvin, Dennis, Harry, und natürlich Vanessa. Alle sind in ganz Deutschland bekannt und sie zeigten mir ihre Tricks. Sehr gewöhnungsbedürftig war am Anfang das rigorose Sporttraining und das strikte Zeitschema. Das war hart aber effektiv. Es gelang mir zunehmend, die Phase der Schwerelosigkeit während eines langen Sprungs für diverse Manöver in der Luft zu nutzen. Burkhard sah mir zu und ließ mehrmals das Wort 'Freestyle' fallen. Noch war es aber nicht so weit.

Die Sommermonate verbrachten Marija und ich in einem geräumigen Hauszelt am Rande der Übungsstrecke. Im Wiesensee plantschten wir herum, wenn es allzu warm wurde. Oft machten wir ein großes Feuer und luden unsere Freunde zu Fass Bier und Rostbratwürsten ein.

Im September kam dann die Gelegenheit, beim MX-Masters-Finallauf in Gaildorf zu starten. Dennis war dabei - er gewann das Rennen - und Sébastien. Ich landete auf dem dritten Platz, noch vor Sébastien. In der Jahreswertung tauchte ich nicht auf, da ich nur dieses eine Rennen gefahren war. Trotzdem war Marija mächtig stolz auf mich, und ich auch. Ihre Sportart ist das Turmspringen, sie ist da sehr akrobatisch. Einmal sprang ich im Traum mit dem Bike vom Turm - mit dem fatalen Ergebnis, dass der Motor entwässert werden musste. Bevor das richtig in Arbeit ausartete, wachte ich jedoch auf.

Der Winter war angefüllt mit Service- und Reparaturarbeiten. Außerdem mit viel Sport. Selbst in der größten Kälte absolvierte ich regelmäßig zwanzig Kilometer Langstreckenläufe, wirklich total gegen meine Natur. Ab und zu sprang ich über die Rampe im Garten. Im kommenden Jahr sollte es losgehen mit dem SX-Cup. Aber zu meinem siebzehnten Geburtstag gab es eine Überraschung. Tyge übergab mir einen Gutschein für eine Woche Freestyle-Training in Daytona! Da Marija gerade zur Hand war, umarmte ich sie heftig vor lauter Begeisterung. Reanne, die inzwischen verheiratet ist (zum Glück war ihr Typ nicht da), sauste auf mich zu und herzte und küsste mich, ebenfalls vor Begeisterung. Und Jule schluchzte heimlich. Jetzt wo nicht mehr sie an der Strecke stand mit Getränken und belegten Broten, sondern Marija, verfolgte sie meine Rennaktivitäten aus der Ferne und mit ein wenig Traurigkeit. Alles in allem waren wir glücklich und froh eingestimmt. Was sollte jetzt noch schiefgehen im Masterplan?

Vier Wochen später waren wir unterwegs: Tyge, Marija, und ich - und meine 450 SX-F. Wir landeten bei Sonnenaufgang in Orlando. Alles kam mir bekannt vor. Marija war das erste Mal in Amerika und sie war ganz aufgeregt. Tyge hatte den Hummer H3T Pickup bestellt und damit fuhren wir vier nach Daytona Beach. Direkt nach Einchecken und kurzem Brunch steuerten wir den Speedway an. Alles war offen. Im Südsektor waren innerhalb des Speedways mehrere Rampen und Landepisten aufgebaut. Motoren röhrten. Der Meister selbst kam zu unserem Hummer herüber: Travis Willis, Freestyle und Stunt Veteran, Head of FMX Team, begrüßte unser kleines Team mit einem breiten Grinsen: "Hi, so you come from Germany!". Travis sah man gleich den Stuntman an, verwegen drein blickend, zugleich freundlich mit breitem Händedruck, und Cowboyhut auf dem Kopf.

Travis zeigte uns den Parcours und stellte uns dann einigen seiner Leute und den gerade anwesenden Kursteilnehmern vor. Und da geschah es, dass ich aus allen Wolken fiel: vor mir stand Jayden! Wir fielen uns in die Arme, das war eine Überraschung. War er also auch auf den Freestylegeschmack gekommen. Jetzt konnten wir um die Wette springen. Doch ich ahnte nicht, dass die Trainingswoche alles von uns abverlangte.

Am ersten Tag wurde ausschließlich Kontrolle in der Luft geübt. Das heißt, bewegen des Motorrads in alle drei Raumachsen während des Fluges. Am zweiten Tag ging es darum, sich vom Motorrad zu entfernen, also Füße von den Fußrasten nehmen, neben das Bike stellen, Hände vom Lenker nehmen (Landung ohne Hände kam erst viel später), waagerecht auf den Sitz legen, dabei ein Stück abheben usw. Für diese Manöver blieben jeweils nur vier bis fünf Sekunden Zeit.

Marija war immer dabei und photographierte und filmte heftig. Abends konnten wir ihre Aufnahmen studieren, vor allem meine Fehler. Sie war sehr geduldig. Als Turmspringerin wusste sie, wie man die wenigen Sekunden nutzen muss, um die perfekte Figur abzufliegen.

Die restlichen Tage lernten wir die meisten der bekannten Freestylemanöver: Whip, Barhop, Cliffhanger, Superman, Rock solid, Kiss of Death, Backflip etc. Am schönsten fand ich 'Rock solid', bei dem man das Motorrad komplett loslässt und quasi über ihm schwebt (am hinteren Ende). Auch der Cliff Hanger ist spannend, bei dem man senkrecht auf dem Bike steht (Füße unter dem Lenker eingehakt). Du musst natürlich immer sehen, dass du rechtzeitig wieder zu deinem Motorrad zurückkommst, um zu landen. Den Rückwärtssalto (Backflip) machten wir am letzten Tag. Nicht alle trauten sich. Jayden aber war sich sicher genug und es gelang ihm, ohne auf die Nase zu fallen. Ich machte es ihm einfach nach, denn was Jayden konnte, konnte ich doch auch, oder? So war es, auch wenn es ein paar mal ziemlich knapp war.

Am Sonntag nahmen wir Abschied - von Travis, seinem Team, dem Speedway, Daytona, von Jayden, der ins Freestylegeschäft einsteigen wird, und allem anderen. Die Sonne ging hinter einem roten Wolkenvorhang unter, als unser Jet Richtung Europa abhob. Während des Fluges sprachen Marija und ich über das vor uns liegende Jahr und unsere Pläne. Marija würde an der deutschen Meisterschaft im zehn Meter Kunstspringen teilnehmen. Und ich an den europäischen MX1-Wettbewerben. Außerdem an Freestyle-Events, eventuell auch den FIM World Championship Läufen in Deutschland (Berlin, München, Hamburg), bis hin zu den SX-Terminen gegen Ende des Jahres. Wir würden uns vor lauter Veranstaltungen und Trainingsterminen nicht mehr so häufig sehen. Doch die Liebe ist stärker!

Am Ende einer erfolgreichen Saison (beim ersten Supercrosseinsatz in Valkenswaard hatte ich mir allerdings bei einer Kollision das Handgelenk gebrochen und musste acht Wochen aussetzen) stand die SX-Cup-Supercross-Veranstaltung in Dortmund auf dem Programm (das Finale). Eine riesige Arena mit vierzigtausend Zuschauern, darunter meine Liebsten: Jule, Ingvar, Reanne (zum Glück konnte ihr Gespons nicht dabei sein), Tyge und Marija. Sie hatten ihre Plätze auf dem VIP-Gold-Rang. Ich war ein wenig aufgeregt angesichts dieser unglaublichen Kulisse und bei dröhnender Rockmusik küsste ich meine geliebte Marija. Ich versprach ihr, immer an sie zu denken, und sie versprach mir ewige Treue.

Im Fahrerlager traf ich auf meine Freunde von der Freestyleszene. Diesmal waren Joel, Kai, Petr, Rob, und Dany dabei. Kai Haase ist etwas besonderes; er bringt es fertig, beim Training sein Motorrad alleine über die Rampe springen zu lassen, nur so aus Spaß. Im Grunde war Flugakrobatik für uns alle ein Riesenspaß, von dem man ganz gut leben konnte. Am späten Abend ging es los.

Wie immer gab es erst einmal eine Show mit und um uns Fahrer. Hinter den Kulissen, übertragen auf die Monsterbildschirme in der Arena, steckte man uns in einen Käfig, ein Gefängnis. Daraus wurden wir unter Gänsehautmusik von zwei außerordentlich hübschen Polizistinnen befreit und von dort in einem amerikanischen Polizeiauto unter Lichtsirenen in die Arena gefahren. Das ging schon unter die Haut! Unsere Maschinen standen an den Sprungrampen bereit.

Dann begannen wir zu springen. Zum Auftakt und als Teaser paarweise Whips. Danach das ganze Repertoire vom beliebten Superman bis zum Backflip. Mein Lieblingsmanöver ist der Cliffhanger, weil man dabei wie eingefroren senkrecht im Raum steht, quasi die Aussicht genießt, und sich dann blitzartig zusammenfaltet, um die Lenkerenden zu ergreifen für die Landung. Beim zweiten Cliffhanger blickte ich hinüber zum Goldrang und sah in diesem kurzen Moment, wie Marija aufsprang und die Arme hochriss. Und nur einen Wimpernschlag später griff ich daneben.

 

Keine zwei Sekunden später wurde es abrupt DUNKEL.

 

Da ich tot bin, bzw. damals war, kann ich den Vorfall nicht genau rekonstruieren. Fest scheint zu stehen, dass die Diagnose noch im Motodrom lautete: GLATTER GENICKBRUCH.

 

Ich bedauere das außerordentlich. Bei der Abarbeitung meines Plans, Champion zu werden, was in der kommenden Saison Realität werden sollte, hatte ich es versäumt, mein nächstes Leben zu planen. Deshalb kann ich nur jedem raten, sich etwas für sein nächstes Leben zu überlegen, bevor es zu spät ist.

Nachtrag 20.11.2016

Der Weltrekord beim Reset des 3x3x3 Rubik Cubes steht zur Zeit bei 4,74 Sekunden, aufgestellt von Mats Valk aus den Niederlanden (siehe bei https://www.worldcubeassociation.org/results/events.php) beim Jawa Timur Open 2016 am 6.11.2016.

Am 9.11.2016 - nur drei Tage später - löste der Roboter „Sub1 Reloaded“ den 3x3x3 Rubik Cube in 0,637 Sekunden.

In dieser Zeit analysierte der Roboter die Ausgangssituation und vollführte dann 21 Drehbewegungen bis alle Seiten des Würfels nur eine Farbe hatten (die Grundstellung).

Der Würfel ist bei diesem Manöver in einem Gestell eingespannt. 6 Stangen sind mit der jeweiligen Mitte der 6 Seiten verbunden. Sie weden elektromotorisch gedreht. Der Würfel ist bei diesen Rekordmanövern ein speziell präparierter „Speed Cube“, der extrem reibungsarm ist. Dieser Spezial-Cube ist von der World Cube Association zugelassen.

Quelle:
http://www.bbc.com/news/technology-37925028