Die Entdeckung Spaniens

23.6.2017

Der weiße Fleck im Süden Europas

Als Cristoforo Colombo im Jahre 1492 über den Atlantik segelte, um Amerika zu entdecken, und in der Folge das dortige Gold nach Europa transferierte, war die iberische Halbinsel östlich von Portugal noch weitgehend unerforscht.

Tatsächlich ist die Landmasse südlich der Pyrenäen, schon früh „Hispania“ genannt, noch heute ein weißer Fleck auf der Landkarte. Man weiß nicht, ob es dort Leben oder Zivilisation gibt. Oder gar Kultur. Aber immerhin ist der weiße Fleck heute unter dem Namen „Spanien“ bekannt.

Leider war ich auf meiner Weltreise vor drei Jahren nicht weit genug in den Süden vorgedrungen, um auch nur in die Nähe des sagenumwobenen Landes Spanien zu gelangen. Statt dessen führte der Weg mich nach Lappland und weiter nach Osten. Nach der Weltumrundung gab es dann den ersten Kontakt mit dem europäischen Festland durch meine berühmt gewordene Bruchlandung in Wales.

So beschloss ich also, nach Süden zu reisen und nachzusehen. Der Lufthansa-Strato-Ballon war das richtige Reisevehikel für mein Vorhaben. Das Problem von Ballons ist, dass sie stark von Windrichtung und Windstärke abhängig sind, weswegen die genaue Zielerreichung nicht immer sichergestellt ist. Wichtig war mir nur, auf festem Boden zu landen und nicht im Mittelmeer oder im atlantischen Ozean. Das Glück war uns Passagieren hold - ich reiste mit einer Archäologengruppe aus Heidelberg - denn wir landeten auf einer sehr harten, endlos langen Ebene in einem sehr flimmrigen metallischen Licht (auf Karte zeigen).

Geblendet und von warmer Luft umfächelt stieg ich aus und versuchte, mich zu orientieren. Unsere Gruppe ging auf ein langgestrecktes, in der Sonne glänzendes Gebäude zu. Turmhohe Erker blitzten wie mit Glas ausgefüllt, ein erstes verblüffendes Zeichen künstlicher Strukturen. Wir überwanden Barrieren und Gegenstände, die wie Koffer aussahen, wanden uns durch geisterhafte Menschentrauben, und entschieden uns für einen Rastplatz nicht weit vom Landepunkt entfernt. Dort errichteten wir ein erstes Zeltlager. Ich hatte mich mit den Heidelbergern angefreundet und durfte mit ihnen gemeinsame Sache machen. Sascha, ein struppiger, bärtiger, knochiger Kerl im Khaki-Overall und Cathy, eine fröhliche Studentin, zart aber anpackend, in Jeans und T-Shirt mit dem Aufdruck "I never walk alone", gingen gleich nach dem Abendessen, zubereitet über dem Lagerfeuer, ans archäologische Werk. Mit Hammer und Meissel versuchten sie in den Boden einzudringen, um Fossilien zu finden, doch der Boden war hart und hatte die Konstistenz von Asphalt.

Die Wissenschaftler schmiedeten Pläne bis spät in die Nacht. Vom Ballon aus hatten sie schon verschiedene karge, fast wüstenähnliche Landschaften erspäht. Am folgenden Tag sollte die erste Erkundungstour zu einer felsigen, stark zerklüfteten, höher gelegenen Ebene führen. Man versprach sich, dort auf Vertreter der hiesigen Fauna zu treffen. Ich bekam die Erlaubnis, das Team zu begleiten.

Thor Olafson mit Jet

Früh am Morgen brachen wir auf. Ich nahm Cathy das schwere Archälogenbesteck ab, da ich selbst ja keins zu tragen hatte. Dankbar lächelte sie mir zu (der Tag fing gut an). Wir marschierten gut 4 Stunden, bis wir das Zielgebiet erreichten. Bis dahin war uns kein Lebewesen begegnet. Doch plötzlich machten wir in der Ferne eine Bewegung aus. Wir richteten Ferngläser auf das Objekt und sahen einen Menschen mit einem Hund. Wir erreichten die beiden schließlich und machten uns bekannt.

Wie groß war die Überraschung, als sich der Fremde als Thor Olafson vorstellte, ein in Fachkreisen weithin anerkannter Entdecker. Sofort warf der schwergewichtige Mirko, unser Hobbykoch, den Gaskocher an, um einen Begrüßungskaffee zuzubereiten. Wir ließen uns nieder und befragten Thor zu seinen Entdeckungen in dieser Gegend. Man muss wissen, dass Thor Olafson der Entdecker des nach ihm benannten Thor-Effekts ist, wonach die Corioliskraft auf unerforschtem Territorium nicht wirkt und daher die Wolken nicht auf Spiralbahnen, sondern einfach geradeaus segeln. Was wir auch sofort mit Blick auf die fast stillstehenden Wölkchen am Himmel bestätigt sahen. Außerdem hat Olafson den Schierlings-Wasserfenchel in einem Tümpel am Fuße der Pyrenäen entdeckt! Bisher glaubte man, dass der Schierlings-Wasserfenchel weltweit einzigartig nur noch vom Hamburger Holzhafen bis etwa zur Staustufe Geesthacht wächst, was bisher die Elbvertiefung verhinderte. Nun, da das Gewächs nachgewiesenermaßen an mindestens einem weiteren Ort angesiedelt ist, kann die Elbe endlich ausgebaggert werden für die chinesischen Riesen-Containerschiffe.

Wir waren alle begeistert von diesem zufälligen Zusammentreffen und lauschten gebannt Thors Bericht über seine Entdeckungen vor Ort. "Ich kann euch zeigen, wo die Urwesen sich aufhalten. Es ist hinter dieser Bergkette", sagte er und zeigte nach Norden. "Ich schlage vor, wir alle überqueren noch heute die Anhöhe und lassen uns auf der nördlichen Flanke nieder". Sofort machten wir uns auf den Weg. Thors Spürhund Jet kannte anscheinend den Weg. Er lief voraus und wartete auf uns an den Kreuzungspunkten. Am Abend hatten wir die Berge erreicht und kurz nach Mitternacht ein Plateau über einem ausgedehnten Talkessel.

Exemplare der Gattung Felidae Magna und Equidae Immanemque

Es ließ uns natürlich keine Ruhe. Nach wenigen Stunden Schlaf waren alle auf den Beinen, die Ferngläser im Anschlag. Thor wies auf die Stellen hin, wo er schon mal die Urwesen gesichtet hatte. "Bei Sonnenaufgang gehen sie auf Futtersuche", gab er Bescheid und fügte hinzu: "Manche sind Fleischfresser. Also Achtung!".

Cathy stieß einen spitzen Schrei aus, als sie links im Blickfeld das erste Urwesen erblickte. Alle schwenkten die Gläser nach links. "Oho", rief unser Entdecker, "was für ein Glück. Das ist tatsächlich ein Raubtier der Gattung Felidae Magna, gut zwei Tonnen schwer, schnell wie ein Gepard, kräftig wie ein Bulle - und aggressiv. Geht besser in Deckung!".

"Da... geradeaus, am Berghang. Seht ihr das Riesenvieh?". Hellwig, Chef der Archäologengruppe, zeigte die Richtung an und alle Gläser schwenkten dorthin. Tatsächlich, ein Prachtexemplar der Gattung Equidae Immanemque, erklärte unser Entdecker sofort. Die beiden Riesentiere brüllten sich ab und zu an, blieben aber an ihrem Platz. Gut 20 Minuten waren die unheimlichen Urwesen zu beobachten, dann verschwanden sie in den Bergschluchten.

Das später berühmt gewordene Regenbogen-
Relief

Unsere Gruppe kam zusammen, um das Gesehene zu besprechen. Alle waren sich einig, etwas Goßartiges erlebt zu haben, und das schon am zweiten Tag seit der Ankunft in Spanien. Stundenlang wurde diskutiert und spekuliert. Die einzigartige Tierwelt dieses Landes war in der Tat verblüffend. Man beschloss, am nächsten Tag die Berggegend zu verlassen und Gebiete in der Nähe des Mittelmeers zu erkunden.

Während der Wanderung nach Süden bemerkten wir ein Höhle und untersuchten sie. Die Höhlenmalereien waren gar nicht überraschend, denn das gibt es Südeuropa sehr häufig. Doch eine Reliefmalerei fiel auf. Sie unterschied sich deutlich von den üblichen Strichmännchen und Strichpferdchen. Sie zeigte Farblinien, die an einen Regenbogen erinnern. Ausführlich wurde das Objekt photographiert für den späteren Bericht.

Danach trennte ich mich von der Gruppe und nahm herzlich Abschied, am meisten von Cathy. Mein Ziel waren die Gestade am Mittelmeer, auch wegen der dringend benötigten Abkühlung. Kaum irgendwo brennt die Sonne so vom Himmel wie in Spanien. Unterwegs genoss ich die wilde unberührte Natur.

Am Strand angekommen, fiel mir sofort ein Gebäude auf, das schon aus der Ferne nicht normal aussah. Ein Turm, bestehend aus vier übereinander gestapelten Würfeln mit Glasscheibenfronten auf gegenüberliegenden Seiten. Das Frappierende: Die Würfel schienen von Kinderhand aufgesetzt worden sein, schief, versetzt, scheinbar wackelig, unstabil wirkend, crazy. Die Bauherren müssen Lebewesen, wahrscheinlich Menschen der jüngsten Vergangenheit gewesen sein. Vermutlich ohne Hilfsmittel wie Vermessungslaser und Wasserwaage. Vielleicht nur mit Bleilot, doch selbst das erscheint angesichts des skurillen Bauwerks unwahrscheinlich. Ich untersuchte das Innere des Turms. Nichts deutete darauf hin, dass der Turm jemals bewohnt gewesen war. Im obersten Stockwerk fand ich doch noch etwas:

ein kleine Münze mit einer figürlichen Einprägung vor dem Hintergrund des Weltalls mit einem Segment der Erde. Vielleicht eine Hinterlassenschaft der Erbauer? Ich steckte die Münze ein.

Je näher ich der habitablen Zone am Nordostrand der Halbinsel kam, desto häufiger sichtete ich humanoide Gebilde. War das Land eventuell doch bewohnt?

Auf meinen tagelangen Wanderungen fand ich Statuen, Menschen mit seltsamer Gangart (walking), und vor allem immer wieder Wesen mit keramisch-metallenem Kopf, der nach oben spitz zuläuft. Das Gesicht ist wie in einem Helm durch einen Vorbau geschützt und dadurch verdeckt, die Augen sind nicht zu sehen, nur die Augenhöhlen. Man hat den Eindruck, es handele sich um einen fremdartigen (außerirdischen?) Krieger. Zum Glück verhielten sich diese Wesen friedlich, fast stoisch.

Meine Wanderung führte mich dann immer tiefer in ein Hafengebiet. Am Rande der Wasserläufe erhob sich ein buntes Fabelwesen, einer Windfahne oder Wetterfahne gleichend. Es mag in der Geschichte des Landes große Segelschiffe gegeben haben, die darauf angewiesen waren.

Plötzlich stieß ich auf ein riesiges weißes Schiff. Darauf stand ein noch weißeres Wesen und schaute in den Himmel. Ich war völlig verdutzt. Dieses Wesen hatte ich schon gesehen! Und da fiel mir die Münze vom Turm ein. Es war so - die Figur auf dem Schiff war fast identisch mit der Münzprägung. Es musste sich also um die Währung fremdartiger Wesen handeln. Und demnach war das Schiff ein Raumschiff, denn Außerirdische kommen immer aus dem Weltraum.

Ich stand völlig errstarrt. Dann versuchte ich, Kontakt aufzunehmen, indem ich rief: "Hallo! Ich bin ein Mensch, wer bist du? Woher kommst du?". Der Alien rührte sich nicht. Er starrte weiter in den Himmel, als ob er Brüder und Schwestern aus dem All erwartete. Ich musste den Versuch, Verbindung, ja vielleicht den ersten Kontakt zu Außerirdischen aufzunehmen, schließlich aufgeben.

Immerhin hatte ich mit eigenen Augen die Herrscher Spaniens (bzw. einen von ihnen) gesehen. Das war weit mehr, als ich zu Beginn meiner Entdeckungsreise erhofft hatte. Doch jetzt war die Zeit gekommen, die Rückreise anzutreten. Ich marschierte einen halben Tag und erreichte schließlich den Platz, auf dem wir seinerseit gelandet waren. Eine kleine Schar Reisender hatte sich dort um den schon aufgeblasenen Lufthansa-Strato-Ballon versammelt. Nicht allzu sehr war ich überrascht von der Nachricht, dass es sich bei den Wartenden wieder um Archäologen handelte, diesmal allerdings aus Stade. Sofort tauschten wir unsere Neuigkeiten aus. Besonders aufgeregt wurden die Forscher aus Stade, als ich von meinem Kontakt mit den Außerirdischen erzählte. Sie baten mich, die Bilder auf ihre Computer zu schicken, was ich sogleich tat (der Strato-Ballon hat WLAN). Seltsam fand ich, dass sie keine riesigen Urwesen gesehen hatten. Aber vielleicht waren sie einfach in der falschen Gegend gewesen.

Sagrada Familia im Jahr 2026

An diesem Nachmittag war der Himmel bewölkt und zeigte nur ein paar blaue Flecken. Das Signal zum Einsteigen ertönte. Wir kletterten einer nach dem anderen in den Korb. Das Gepäck war schon vorher in einem Korb unter dem Passagierkorb verstaut worden. Der Heißluftbrenner fauchte. Wir stiegen langsam in die Höhe. Alle betrachteten aufmerksam die Landschaft (hatte man doch etwas übersehen?), als wie von Geisterhand linkerhand eine Fata Morgana erschien. Eine Kathedrale war zu sehen, lichtumströmt (alle Wolken waren verschwunden), und von ungekannter Architektur. "Eine Vision", rief laut eine junge Frau zu meiner Rechten. "Das ist sie! Die Fertiggestellte." Alle wollten wissen, was sie damit meinte, ohne den Blick von der unglaublichen Erscheinung abzuwenden. "Es ist die Familienkathedrale. Aber sie wird erst in 10 Jahren so aussehen. Wir sehen in die Zukunft!". Ich sah sie an. Ihre Augen leuchteten. Woher wusste sie das? Später, während der Fahrt über Frankreich, entlockte ich ihr Geheimnis. Sie arbeitet als Archivarin in Schwerin und betreibt als Hobby die wissenschaftliche Astrologie mit Schwerpunkt "Gebäude der Zukunft". Und eines Nachts hatte sie genau dieses Bild dieser außergewöhnlichen Kathedrale gesehen, zusammen mit der Unterschrift "Sagrada Familia im Jahr 2026". Kaum zu glauben.

Der Himmel hatte sich wieder bewölkt und es ging weiter aufwärts. Wir stießen an die Wolkengrenze und gerade, als der Ballon uns durch die Wolken emportrug, tauchte linkerhand eine statuenähnliche Figur auf. Ein Mann in der typischen Kleidung eines Eroberers, augenscheinlich gerade mal 40 Jahre alt. Mit entschiedener Geste wies er mit dem rechten Arm gen Westen. War das ein Fingerzeig? Wir sahen den Käptn an. Doch der schüttelte den Kopf. Wir waren auf Nordostkurs, bedingt durch die nordöstliche Windrichtung. Keine Chance, nach Westen abzudrehen. Wahrscheinlich war das unser Glück. Wer weiß, wo wir gelandet wären? Nicht auszudenken.

Immer höher stieg unser Ballon. Wir hatten bald 4000 Meter erreicht. Der Ausblick war atemberaubend. Die gesamte iberische Halbinsel lag unter uns. Deutlich zeichnete sich das Landschaftsrelief ab, die langestreckte Bergkette im Norden, die Höhen oberhalb Madrids, die Sierra im Süden. Wir alle standen und staunten.

"Wie ein Portrait", sagte der Erste. "Stimmt, wie ein Gesicht", sagte der Zweite. Und kurz danach waren alle einer Meinung: Spanien hat ein Gesicht!

Noch vor Anbruch der Nacht schrieb ich in mein Tagebuch:

Spanien ist und bleibt ein geheimnisvolles Land voller Gegensätze. Auf der einen Seite die unheimlichen gigantischen Urwesen, auf der anderen die vielen seltsamen Erscheinungen. Weltweit wird nach Außerirdischen gesucht und in Spanien sind sie. Welche Rolle sie dort spielen, ist völlig unklar. Ich vermute, dass wir bald die seltsamen Münzen mit dem weißen Alien im Euroraum sehen werden. Wahrscheinlich wird der Umtauschkurs gigantisch sein. Wird es zum Ausverkauf der Eurozone kommen? Spanien ist eigentlich, auch nach den Entdeckungsreisen verschiedener Forschergruppen, immer noch ein sehr heller Fleck im Süden Europas. Beruhigend ist jedoch, dass Spanien, wie wir gesehen haben, ein menschliches Gesicht hat.

Salvador Dali im Jahr 1935: "Die Tatsache, daß ich selbst im Augenblick, wo ich male, die Bedeutung meiner Bilder nicht erkenne, will nicht heißen, daß sie keine Bedeutung hätten.“

Hinweis:

Ein weiterer Beitrag zur Erforschung Spaniens ist "Yellow Submarine BCN".

Nachträglich noch ein Hinweis: Ein Beförderungssystem ist in der Gegend eingerichtet worden.