Yellow Submarine BCN

3.10.2005

Kürzlich wurde im Barri Gòtic, einem Stadtteil von Barcelona, dieses Liedfragment gefunden, das in wenigen Worten und Tönen das Lebensgefühl der Einwohner wiedergibt.

Diese leben in einem weitverzeigten, hochaufgetürmten Steinlabyrinth, das an vielen Stellen durch schmale Gassen schluchtartig durchquert wird.

Die Strahlen der Sonne fallen selten bis hinab in die tiefsten Regionen, wo sie sich bestenfalls in den Wasserlachen spiegeln, die von den Reinigungstrupps am Morgen in den Gassen hinterlassen werden. Nur der Blick senkrecht nach oben zeigt einen schmalen Streifen Himmels.

Die ganze Düsternis am Boden des Gotic-U-Boots – und als solches ist dieses Gebilde zu bezeichnen – wird an einigen wenigen Stellen durch bunte Höhlenmalereien aufgehellt. Meist handelt es sich um farbig schillernde Darstellungen eines fortwährenden Kampfes, dadurch eindringlich das wahre submarine Leben schildernd.

Wie in jedem U-Boot spielt sich das Leben auf engstem Raum ab. Kein Geräusch bleibt verborgen und Gerüche ziehen zwischen den Mauern, Erkern, Ritzen und Spalten überall hin.

Dazu kommt ein stetiges Summen und Raunen, das in den tieferen Schichten als Grundton ständig wahrnehmbar ist – Tag und Nacht. Steigt man hinauf bis an die obere Hülle, dem Licht entgegen, ändert sich der Ton und nimmt die Klangfarben eines hellen Rauschens mit eingemischten Zisch- und Blaslauten an.

Es sind die Lautäußerungen des Atmungsorgans dieses riesigen Organismus: Einatmen (frische Luft wird nach unten gepumpt) und Ausatmen (verbrauchte Luft wird nach oben gepumpt).

Oftmals stehen die Belüftungsrohre eng bei den Entlüftungsrohren, so dass es bei ungünstigem Wind zur Zirkulation kommt. Dieser Umstand beeinträchtigt die Gesundheit der Bewohner.

Interessanterweise sind es vor allem die Katzen, die intelligentesten aller Tiere, die ihr Leben ganz oben, über dem dumpf vibrierenden Körper aus Stein und Menschen verbringen – und sich von Tauben ernähren.

Erstaunlicherweise ist es den Bewohnern des Submarines BCN gelungen, das äußere Erscheinungsbild ihrer Welt kunstvoll zu gestalten. Mit Hilfe renommierter Architekten (Gaudi u.a.) sind viele der Rohre verkleidet worden und ziehen jetzt als Kunstwerke Touristen aus aller Welt an.

 

In den meisten öffentlichen Gebäuden sind die Lüftungsrohre, die die Bewohner in den tieferen Schichten mit dem lebensnotwendigen Sauerstoff versorgen und Kohlendioxid heraufpumpen, sogar frei sichtbar, und entsprechend dem vorherrschenden künstlerischen Lebensgefühl als eindrucksvolle, beinahe schwerelos wirkende Konstruktionen ausgebildet. (Bild links).

 

Das gesamte U-Boot ist an den Seiten umgeben von großen Glasflächen. Sie dämpfen die Sonnenstrahlung und andere externe Einflüsse und ermöglichen damit ein autarkes, von der Außenwelt abgeschnittenes (auch unabhängiges) Leben.

                           Glückliche Submarines inmitten von Barcelona ! Verbindung nach außen übrigens über Antennen …