The Million Dollar Homepage

7.6.2019

Im Jahr 2005 beschloss der 20-jährige Student Alex Tew, Millionär zu werden.

Nach kurzer Überlegung wußte er, wie das geht. Er setzte eine Seite ins Internet, die unter der Adresse http://www.milliondollarhomepage.com zu erreichen war und heute noch erreichbar ist. Diese eine Seite hat ein quadratisches Format und besteht aus 1000 x 1000 Pixeln. Somit standen eine Million Pixel für Alex' gewinnbringende Idee zur Verfügung.

Er begann, Segmente der Seite an Firmen zu verkaufen, die dort ihre Werbung platzierten. Jedes Pixel kostete 1 Dollar. Die Pixel wurden von den Firmen erworben und nicht gemietet. Das heißt, dass der Käufer einer Werbefläche diese für immer besitzt. "Für immer" gilt natürlich nur, solange die Website existiert.

Nach einem Monat im Internet waren schon Pixel im Wert von 250.000 Dollar verkauft. Bedeutende Internet-Player wie Yahoo und The Times waren damals dabei. The Times kaufte 17 x 143 Pixel, zahlte also 2.431 Dollar für eine Werbefläche, die nun schon 15 Jahre lang auf ihre online-Zeitung verlinkt.

Million Dollar Homepage

Die Mehrzahl der Anzeigen sind jedoch winzig klein und beanspruchen oftmals nur eine Fläche von 8 x 8 Pixel, gerade genug für ein alphanumerisches Zeichen oder ein Symbol. So zum Beispiel die weiße 4 auf rotem Hintergrund. Wenn die Maushand drüber steht, erscheint der Infotext "Advice4Businesses - Free business advice and tips". 170 Pixel kaufte in jener Zeit der TÜV Rheinland, die Fläche ist immer noch mit seiner Website verlinkt.

Schon im Januar 2006 wurden die letzten 1000 Pixel auf einer Auktion für 38.100 Dollar versteigert, also für das 40-fache des normalen Pixelpreises. Heute sind nur noch etwas mehr als die Hälfte der Links aktiv und viele davon führen nicht mehr zu den ursprünglichen Eigentümern, denn ihre Werbefläche haben sie verkauft.

Heute ist die Million Dollar Homepage ein wahres Internet-Museum, das wie das Kaleidoskop die bunte Welt des noch jungen Internets zeigt. In den vielen "Kleinanzeigen" spiegeln sich schon damals die Wünsche und Angebote der Internetnutzer wider: Glücksspiele, Wetten, Alkohol, Sex, Reisen, Einkaufen, Blödsinn, Hotels, Meinungsumfragen, Sprachen lernen, Partnersuche, Diäten, Kredite, usw. Es hat sich also in den 15 Jahren nicht viel geändert.

Die Million Dollar Homepage demonstriert auch die Vergänglichkeit im Internet. Webseiten erscheinen und verschwinden wieder. Vor dem Internet wurden Nachrichten gedruckt und archiviert mit dem Potential, jahrhundertelang zu existieren. Zwar wird heute versucht, auch die Internetinhalte zu archivieren, doch das ist ein doch recht aussichtloses Unterfangen, zumal selbst die British Library nur einmal im Jahr eine Speicherung von Veröffentlichungen im United Kingdom durchführt.

So können wir uns doch noch einige Zeit an einer bunten, pixeligen und in Stein gemeißelten Webseite erfreuen, die dem Erbauer eine Million bescherte.


Quelle:
http://www.bbc.com/future/story/20190401-why-theres-so-little-left-of-the-early-internet