Digital Hell

Fahrt zur Hölle

13.3.2017

James und Theresa Arnold lebten friedlich und glücklich auf ihrer Farm im Staat Kansas in den USA (auf der Karte zeigen). Bis eines Tages die digitale Hölle über sie hereinbrach.

Es fing damit an, dass zwei Beamte des lokalen Sheriffs zu Besuch kamen, um nach einem gestohlenen Lkw zu suchen. Danach kamen Staatsbedienstete zu ihnen auf der Suche nach vermissten Personen oder solchen mit Selbstmordabsichten. Über mehrere Jahre wurden die Arnolds überprüft, beobachtet und zuletzt sogar öffentlch (vom Fernsehsender Fusion) als Zentrum organisierter Kriminalität und als Basis von Diebes- und Betrügerbanden klassifiziert. Es kam zu Anschuldigungen und persönlichen Angriffen gegen die Arnolds von Seiten der empörten Öffentlichkeit.

Nichts von all dem ist wahr und trotzdem steht die Arnold Farm im Fokus höchstpolizeilicher Ermittlungen. Wie konnte es dazu kommen?

Fusion lieferte in seinem Fernsehbericht die Ursache gleich mit. Die Firma MaxMind betreibt „IP-Mapping“. Sie nutzt eine „GeoIP“-Datenbank, in der IP-Adressen mit Geodaten verknüpft sind. Damit kann man herausfinden, wo in der Welt der Computer sitzt, der im Datenverkehr eine bestimmte IP-Adresse benutzt.

Ein solcher Dienst ist bei der Polizei natürlich sehr gefragt, denn sie versucht, kriminelle Machenschaften im Internet aufzudecken, indem sie die Nationalität und möglichst auch den ungefähren Standort von Internet-Verbrechern ermittelt. Es geht darum, die Hintermänner ausfindig zu machen und zu verhaften. MaxMind gibt an, dass die geographische Zuordnung (Mapping) nur ungefähr ist. Das genügt aber, um zum Beispiel die Quelle der Worldwide Fake News im Städtchen Veles in Mazedonien zu lokalisieren. Die Täter selbst findet man so nicht, aber man kann sich an den Bürgermeister halten. Der hat allerdings in einem Interview gesagt, dass die jungen Burschen, die die Fake News in die Welt setzen, nichts Unrechtes tun und nur ein bisschen Geld verdienen wollen.

Eine Besonderheit beim IP-Mapping der Firma MaxMind ist die Nutzung einer Sammeladresse (Default Address), wenn eine IP-Adresse nicht eindeutig einem Provider-Server zugeordnet werden kann, so wie das meist bei den Adressen ist, die vom Darknet über Proxy- und Anonymisierungs-Server emittiert werden. Diese Sammeladresse ist ganz willkürlich das geographische Zentrum der USA. Und dieses Zentrum ist in Sichtweite der Arnold Farm.

Zwangsläufig müssen deshalb die dunklen Geschäfte des Darknet in der Farm zusammenlaufen. Die Arnolds haben nun MaxMind wegen fortwährender Verleumdung und Bedrohung verklagt. Sie erheben die Anschuldigung, mehr als 600 Millionen IP-Adressen seien ihnen zugeordnet. Das bedeute für sie die „Digitale Hölle“ und nur ein Schuldspruch könne MaxMind zu einer Veränderung der Lokalisierung bewegen.

MaxMin hat die Klage zur Kenntnis genommen, ohne sich dazu zu äußern. Der Firmengründer Thomas Mather erklärte allerdings, dass die Default Address in Zukunft in der Mitte großer Gewässer definiert werde. Was ist, wenn gerade dort ein Hausboot vor Anker liegt?

Quellen:

http://www.bbc.com/news/technology-37048521
https://www.maxmind.com/de/home

Internet-Begriffe wie IP-Adresse, Server u.a. werden in Website erklärt.