Kairo

27.7.2013

In Kairo trat heute die Sprecherin der Muslimschwestern vor die Presse. Eine Vielzahl von Mikrophonen war auf sie gerichtet, um ihre Mitteilung in die Welt zu übertragen. Im Saal waren gut hundert Medienvertreter versammelt, denn ein Auftritt der Muslimschwestern garantiert immer einen hohen Aufmerksamkeitswert.

Mit fester Stimme begrüßte die schwarze Gestalt hinter dem Rednerpodest die Anwesenden, nahm mit ihrem rechten Auge die Presseleute ins Visier und begann: „Es gibt Anlass zu Besorgnis, denn die Gewalt in unserem Land nimmt ständig zu. Wir wissen von Allah, dass ER Gewalt nicht mag. Deshalb appellieren wir an unsere Brüder, sich möglichst friedlich zu verhalten und zu beten. Es wird der Tag kommen, an dem die Welt gerechter und besser sein wird. Die gesamte Muslimschwesternschaft wird sie dabei unterstützen“.

Nach dieser kurzen aber bedeutenden Mitteilung lud die Schwester die Anwesenden zu Fragen ein.

Die erste Frage war - wie sollte es auch anders sein - einer Äußerlichkeit gewidmet. Wieso sie ein Auge bedeckt halte, wollte eine Journalistin aus Italien wissen. „Ich kann mit einem Auge alles sehen“ kam die Antwort der Sprecherin mit einem leicht gereizten Unterton, denn sie war auf wichtigere Fragen eingestellt.

Ein Engländer fragte neugierig „Sie sagten, dass Allah Gewalt nicht mag. Haben Sie denn mit ihm gesprochen?“. Hier war die Schwester in Schwarz in ihrem Element: „Nein, das nicht, aber wir alle vernehmen SEINE Stimme immer wieder ganz deutlich und es ist wichtig, andere daran teilhaben zu lassen. Und diesmal ist es besonders wichtig. Das ist der Grund, warum ich Sie hierher gebeten habe. Bitte teilen Sie all Ihren Lesern, Hörern und Zuschauern mit, dass wir Muslimschwestern nicht untätig bleiben wollen im Kampf um den Frieden und eine lebenswerte Zukunft ohne Unterdrückung“.

„Ich danke Ihnen“. Damit war die Pressekonferenz auch schon zu Ende. Offensichtlich war die Sprecherin der Meinung, die Welt genügend informiert zu haben. Die Welt fand die Äußerungen interessant und informativ.

In Kairo interessierte sich kaum jemand dafür, schon gar nicht die Muslimbrüder.