Religion

7.5.2015

Das Vordringen des Islam in Deutschland zwingt einen, sich mit Religion zu befassen, obwohl man eigentlich gar keine Lust dazu hat. Immerhin haben wir über Jahrhunderte für die Befreiung von Religion gekämpft. Doch das Rad der Zeit dreht sich um eben diese Jahrhunderte zurück. Wenn du heute keinen Gott vorweisen kannst, bist du weder im Mainstream noch sicher.

Das hat mich, obwohl ich laizistisch bin, zur Überlegung geführt, eine eigene neue Männerreligion zu erfinden. Tatsächlich habe ich schon die wesentlichen Elemente kreiert, aber das ist erst der Anfang.

Vorausgegangen war eine Analyse der dominanten Männerreligionen in dieser Welt. Dabei habe ich folgende Gemeinsamkeiten identifiziert:

Religion

1. Ein Gott wird erfunden. Dieser ist anzubeten. Es ist ihm zu gehorchen. Da er weder zu sehen noch zu hören ist, erfinden die Weisen die Regeln (Gebote), nach denen die Anhänger zu leben haben.

2. Die Frau ist sekundär und hat sich unterzuordnen.

3. Es wird eine Hierarchie aufgebaut. Ganz oben stehen die Würdenträger. Das sind die Profiteure der Männerreligion.

4. Zwecks Kundenbindung werden zahlreiche Mythen, Mysterien, Sagen, Wunder, Reliquien, Gebets- und Pilgerstätten erfunden.

5. Um den Gehorsam der Anhänger zu zementieren, wird der Begriff "heilig" eingeführt. Was heilig ist, bestimmen die Würdenträger. Die Verletzung von etwas Heiligem wird bestraft (im Namen Gottes).

6. Ein Dokument mit dem Namen "Bibel" o.ä. wird geschaffen. Es ist die Referenzgrundlage der Männerreligion und definiert Gesetze und Bestimmungen ("du sollst..."), die weit über allen von Menschen geschaffenen Gesetzen stehen.

7. Gehorsam kann man bekanntlich nur durch Strafen erzwingen. Selten gibt es einen expliziten Kalalog von Strafmaßnahmen. In der Regel bleibt es der Phantasie der Anhänger überlassen, wie sie jemanden bestrafen.

Allein aus dieser 7-Punkte-Aufzählung wird klar, dass die Erfindung einer neuen Männerreligion eine gewaltige Aufgabe ist. Ich habe mir dennoch jeden Punkt einzeln vorgenommen und eigene Ableitungen vorgenommen.

Zum Punkt 1.:
Einen Gott zu erfinden, erscheint mit etwas übertrieben und glattweg unnötig. Es genügt, wenn ICH angebetet werde. Demnach ist meine neue Männerreligion eine gottlose Religion. Was die Gebote betrifft, finde ich 10 Gebote ebenfalls stark übertrieben. Deshalb habe ich schon frühzeitig beschlossen, mit nur einem Gebot auszukommen: "Du sollst gehorchen". Das ist leicht zu merken und in allen Situationen anwendbar.

Zum Punkt 2.:
Ganz offensichtlich ist die Frau das Problem. Die Frau zeigt gerne Haut, zum Beispiel Oberarme (!) und Hals, was bei meinen Anhängern zu sexueller Stimulation führen kann, was verboten ist. Deshalb musste ich eine Verhüllungsordnung schaffen, allerdings ohne die Frauen zu zwingen, sich in schwarzen Säcken zu verstecken. Da sind wir tolerant. Eine weitere Sache im Zusammenhang mit "Frau" ist die unbefleckte Empfängnis. Die würde meinen Frauen sicher entgegenkommen, denn wer ist schon gerne befleckt. Doch da sehe ich erhebliche Realisierungsprobleme. Wie soll ich das hinbekommen? Darüber werde ich länger nachdenken müssen.

Zum Punkt 3.:
Der Chef bin natürlich ich. Meine Würdenträger gehorchen mir aufs Wort. Ganz im Geiste meiner Toleranz müssen diese jedoch keine Frauenkleider (Gewänder) tragen, das ist würdelos. Die gesamte Hierarchie bis zum Anhänger hinunter wird sich im Lauf der Zeit ergeben.

Zum Punkt 4.:
Das ist ein schwieriger Punkt, genauso wie Punkt 6, und erfordert viel Arbeit und Vorstellungskraft. Märchen zu schreiben ist nicht einfach, denn in jedem Einzelfall muss der heroische oder auch tragische Ausgang gut begründet sein. Aus diesem Grund habe ich mir zunächst einmal die Wunder vorgenommen. Diese sind ohnehin effektiver als die Märchen, denn sie beweisen meine Allmacht. Für das erste Wunder habe ich einen Jünger erfunden, der seinen aufopfernden Sprung vom One World Trade Center (N.Y.) unversehrt(!) überlebt hat. Der darauf folgende Medienrummel war dann aber unergiebig, denn das Wunder wurde allen möglichen Religionen zugeschrieben, nur nicht meiner.

Zum Punkt 5.:
Das Heilige ist ein ausgezeichnetes Marketingtool. Der Grund: das Heilige ist nicht angreifbar. Ich werde später einmal einige Anhänger heilig sprechen, die besonders Folgsamen, und ihnen dadurch besondere Verehrung zukommen lassen.

Zum Punkt 6.:
Ach Gott! Das ist die schwerste Aufgabe. Es ist ganz klar, dass eine Bibel sein muss. Zur Abgrenzung von allen möglichen Bibeln muss sie eine eigene und spezielle Bezeichnung haben. Um tausende von Seiten zu füllen werde ich per copy&paste die besten Fragmente aus den Schriften der Schriftgelehrten holen. Man muss ja nicht alles neu erfinden. Trotzdem ist das verdammt viel Arbeit.

Zum Punkt 7.:
In Sachen Strafen halte ich mich zurück. Meine Männer wissen schon, was Spaß macht, wenn's darauf ankommt. Dennoch muss es eine ultimative Strafe geben, sowas wie Exkommunikation oder Verstoßung aus dem Paradies. Oder die Hölle. Ich denke, eine Konkretisierung ist am besten in der Bibel (Punkt 6.) aufgehoben.

Der Punkt 4. macht am meisten Spaß. Speziell die Wunder. Wunderheilung zum Beispiel. Jedesmal, wenn ich mir das Knie oder den Ellbogen blutig stoße, heilt das von selbst! Ausgezeichnet! Des weiteren verbiegen sich des öfteren meine Silberlöffel (altes Erbgut), manchmal so weit, dass ich gar keine Suppe löffeln kann. Ganz klar ist, dass solche Wunder in der Öffentlichkeit geschehen müssen, sonst glaubt keiner daran.

Ganz unschlüssig bin ich noch in der Frage, ob ich das Leben nach dem Tod erlauben soll. Das hat Vorteile, aber auch Nachteile. Der Vorteil des ewigen Lebens ist jedem klar: man ist dann nicht tot. Die Nachteile überwiegen jedoch nach meiner Meinung. Meine Anhänger könnten zu dem Schluss kommen, das irdische Leben, voller Mühsal und Enttäuschungen, sei nichts wert im Angesicht der ewigen Herrlichkeit. Man lebt dann nur ein bißchen, bis es endlich soweit ist und der Tod da. Unzählige Kloster beherbergen Menschen mit dieser Anschauung. Die Kehrseite dieser Lebensanschauung ist die Verachtung des menschlichen Lebens und die daraus erwachsende Lust, Ungläubige ins Jenseits zu befördern. Und die Auswahl ist ganz einfach: ungläubig ist, wer meiner neuen Männerreligion nicht angehört.

Das Paradiesische des ewigen Lebens wird übrigens oft überschätzt. Am Anfang mag das noch recht lustig sein (im Vergleich mit dem nichtigen irdischen Leben), doch sehr bald, spätestens nach einer Million Jahren, stellt sich Überdruss ein, vor allem, weil dann keine Jungfrauen mehr da sind, oder nur noch stark abgenutzte, und da fängt die Ewigkeit erst richtig an und währt danach ewig!

Anzeige in der Lokalzeitung

Leider habe ich festgestellt, dass meine neue Männerreligion noch keine Anhänger hat. Werbung ist also angesagt. Dazu bieten sich geradezu aufdringlich die gesellschaftlichen Medien an, so wie das Nabelschau-Portal Facebook oder das Exhibitionisten- und Mörder-Portal YouTube oder das Häme-Portal Twitter. Allesamt sind sie weit unter unserem Niveau. Deshalb habe ich jetzt eine Anzeige im Lokalblatt geschaltet. Nach dem Motto "think local, act local" wendet sich dieser Aufruf an meine Mitmenschen und appelliert an deren Bedürfnis nach klaren Verhältnissen.

Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen. Knien ist wichtig. Hinknien oder auch flach auf den Bauch legen. Man kennt das aus der Tierwelt: wer kuscht, wird nicht gebissen. Man kann beim Niederknien auch seinen Bürzel hoch in die Luft strecken, ganz ohne den Hintermann um Erlaubnis zu bitten.

Es gibt so viel zu tun. Manchmal erscheint mir meine Aufgabe zu gigantisch, um sie alleine lösen zu können. Dennoch: haben es nicht alle charismatischen Männerreligionserfinder allemal geschafft? Ich möchte es so gerne selbst erleben, wobei es mir völlig egal ist, ob ich in die Geschichte eingehe. Bitte helfen Sie mir. Schicken Sie Ihre Vorschläge und Beiträge per Email. Vielen Dank.

P.S.: unser Religionslogo haben wir bewusst schlicht gehalten, um auf keinen Fall irgendwelche Gefühle zu verletzen, siehe Bild oben.