Krank

13.4.2016

Weltweit erkrankt der Mensch an:

Cholera, Pest, Schlafapnoe, Krebs, Epilepsie, Tollwut, Keuchhusten, Leukämie, Chorea Huntington, Eileiterschwangerschaft, Herzinfarkt, Gürtelrose, Lepra, Tripper, Typhus, Mumps, Arthrose, Bronchitis, Nierensteine, Gallensteine, Höhenangst, Tuberkulose, Morbus Crohn, Botulismus, Hämorrhoiden, Neurofibromatose, Akne, Bandscheibenvorfall, Bettnässen, Depression, Insektengiftallergie, Fibrose, Diabetes, Rheuma, Malaria, Plattfuß, Gicht, Rinderwahn, Ebola, Demenz, Zähneknirschen, Windpocken, Cholezystitis, Tennisarm, Hypertonie, Übergewicht, Vaginose, Sonnenbrand.

 

Doch der Deutsche hat Handynacken. Diese Krankheit ist weit verbreitet und dominant bei Smartphone- und Tablet-Usern. Sie rangiert sogar noch vor dem Mausarm. Der Kopf ist tief über das Display gebeugt. Kräfte von 27 Kilogramm wirken auf Nacken und Rücken. Die Folgen: Verspannnungen, Kopfschmerzen, Bandscheibenverschleiß.

Ärzte raten dazu, öfter in die Ferne zu schauen, um die Augen- und Nackenmuskulatur zu trainieren. Andererseits gibt's in der Ferne nichts zu sehen, zumindest nichts Interessantes (und schon gar nichts Spannendes). Die Musik spielt auf dem kleinen Display in der Hand.

Natürlich gibt es Heilung. In der ärztlich verordneten Handynackenkur ist das Handy ausdrücklich erlaubt! Es geht um den richtigen Umgang mit dem Freudenspender.

So soll das Smartphone nur alle fünf Minuten gescanned werden, nicht ständig. Auch ist penibel auf die richtige Ablesehaltung zu achten, nämlich aufrecht mit geradem Kreuz. Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie rät: den Kopf von links nach rechts bewegen, die Ohren Richtung Schulter senken, den Kopf nach oben strecken und die Schultern nach unten ziehen. Das Patientenmonitoring überprüft anhand der übermittelten Daten des Displayzustands (on/off) und der auf dem Rücken angebrachten Bewegungssensoren die Einhaltung der Direktiven. Wenn die Koinzidenz von Display-ON und gebeugter Haltung im Verlauf der Kur den Grenzwert von 25% übersteigt, gilt die Kur als gescheitert. In einem solchen Fall wird die Einweisung des Patient zur nächsten Kur vorbereitet.

Aber auch für die schwierigen Fälle gibt es fürs häusliche Umfeld gute Ratschläge. In jeder Situation kommt es darauf an, das Smartphone in aufrechter Haltung abzulesen. Auf dem Mittagstisch stehen Schwanenhalshalterungen zur Anbringung der Phones in Augenhöhe, und zwar vor jedem Sitzplatz. Damit ist jeder Esser in der Lage, die Posts während der Essensaufnahme (bevorzugt Eintopf) beschwerdefrei zu lesen.

Man findet Schwanenhalshalterungen an verschiedenen Stellen im Haushalt. Im Wohnzimmer auf dem Knabbercouchtisch, im Badezimmer direkt vor dem Spiegel, im Schlafzimmer in der Über-Kopf-Variante, und - last but not least - in der Toilette. Dort hängt die Phone-Halterung von der Decke und kann in der Höhe verstellt werden. Es kann auch das iPad angebracht werden fürs Zeitunglesen. Einige Supermärkte haben ihre Einkaufswagen mit Schwanenhälsen versehen, so dass der Kunde den Blick so gut wie nie von seinem Smartphonedisplay abwenden muss. Durch das kontaktlose Bezahlen bleibt der Kunde auch an der Kasse in Kontakt mit seinem Phone.

Wie bei einem Head-up-Display kann das Phone-Display mittels Stirnband mit seitlich daran befestigtem Schwanenhals knapp 20 Zentimeter vor die Augen gestellt werden. Das ist besser als die geschlossene Datenbrille, weil der Seitenblick noch uneingeschränkt möglich ist. Falls der Geradeausblick benötigt wird, kann mittels Augmented Reality die Wirklichkeit annähernd korrekt dargestellt werden.

Mit solchen Hilfsmitteln wird es den Handynacken bald nicht mehr geben. Ein Restproblem sind aber noch die Schulkinder, die ihr Handy heimlich unter der Bank benutzen und das mit tief gebeugtem Kopf. Hier sind nach wie vor die Lehrer gefordert, mit regelmäßigen Entspannungsübungen dem Handynacken beim Kind vorzubeugen.

Nachtrag 6.5.2016:

Wie erst jetzt bekannt wird, ereignen sich sogar tödliche Unfälle wegen falscher Körperhaltung beim Smartphone ablesen. Durch die nach vorn gebeugte Haltung mit gesenktem Kopf sehen die meisten User die nahende Straßenbahn oder den Bus nicht und werden überrollt.

Deshalb gibt es jetzt "Bodenampeln". Das sind im Boden eingelassene LED-Lichtzeilen am Rande von Bahngleisen oder Busspuren. Diese blinken rot bei Annäherung eines Fahrzeugs. Solche Bodenampeln gibt es schon in Köln und Augsburg. Sie vermindern nach den bisherigen Testergebnissen recht zuverlässig die Gefahr einer Kollision.

So weit so gut. Doch was ist mit den Usern, die unseren Rat befolgen und ihr Smartphone in aufrechter Haltung ablesen? Sie können die Bodenampeln nicht sehen. Darüber hinaus können sie mangels peripherem Horizont (wegen Smartphone-Tunnelblick) auch nicht die heranfahrenden Objekte sehen. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als allen Usern zu raten, in der Nähe von Gleisen und Busspuren wieder - kurzzeitig - zur falschen, nach von gebeugten Ablesehaltung zu wechseln, um auf keinen Fall die Bodenampeln zu übersehen. Nach der Überquerung der Gefahrenstelle sollte dann wieder die richtige Haltung eingenommen werden.

Nachtrag 16.5.2016:

Wie jetzt bekannt wurde, integrieren Smartphone-User ihr Gerät in ihr Ich. Eine Forschergruppe untersuchte, inwieweit der tägliche Umgang mit modernen technischen Geräten langfristig zur Eingliederung in das eigene Körperschema führt.

Dazu verwendeten sie den "Gummihand"-Versuchsaufbau. Die Versuchsperson legt die linke Hand auf den Tisch. Diese wird abgeschirmt und ist für den Probanden nicht sichtbar. Daneben liegt sein Smartphone. Nun werden beide - die nicht sichtbare Hand und das Smartphone - eine ganze Zeitlang mit einem Pinsel gestreichelt. Dass die Versuchsperson zeitgleich fühlt, wie die eigene Hand gestreichelt wird und sieht, wie das Objekt synchron berührt wird, erzeugt bei ihr das Gefühl, das Objekt gehöre zum eigenen Körper – beide Informationen verschmelzen dabei zu einer Wahrnehmung.

"Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass unser körperliches Selbst viel flexibler und plastischer ist, als früher angenommen wurde", sagt der Forscher.

Es ist nun also erwiesen, dass das Smartphone ein Bestandteil des Menschen ist. Dementsprechend kommt der Verlust oder die Wegnahme des Smartphones einer Amputation gleich.

Quelle: https://www.n-tv.de/wissen/Gummihand-Illusion-auch-bei-Smartphones-article17692716.html